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Der Abgrund schaut zurück
Thilo Schneider • 22. Oktober 2025
Eine überfällige Selbstanalyse
Ich gebe zu – zum ersten Mal im Leben habe ich richtig Angst. Nicht Angst vor anderen, keine Angst vor Klimawandel oder dass mich eine Horde Neu-verrückt-Gewordene umnietet. Nein, keine Angst vor anderen. Ich habe Angst vor mir. Und um mich.
Nitzsche sagte sinngemäß: „Wenn man zu lange in einen Abgrund schaut, dann schaut er zurück.“ Und exakt so geht es mir. Dieser Abgrund starrt mich an.
Ich hielt mich stets für einen Menschenfreund. Einer, der bei allen Abgründen und Schandtaten und Verbrechen, zu denen der Mensch fähig ist, auch die andere Seite sehen konnte und sich an ihr erfreute: Der Mensch als Entdecker, Erfinder, Denker, Künstler. Der Mensch, der zum Mond fliegt, den Mars besiedeln, eine Oper schreiben und einen Impfstoff entwickeln kann. Dieser wunderbare Mensch, der singt, der tanzt, der lacht, der liebt, dem der Himmel nicht weit genug und dem der Horizont kein Ende ist.
Ich tu mir schwer, das weiterhin zu sehen, zu empfinden. Zu viel passiert. Da wird ein Mann, Ehemann und Vater, erschossen, weil er andere dazu aufforderte, ihn zu widerlegen. Das war der einzige Grund und Grund genug, dass ihn ein offensichtlich hasserfüllter Irrer umgenietet hat.
Aber das ist es nicht. Menschen sterben. Jeden Tag. Aus den unterschiedlichen Ursachen. Vom Herzinfarkt über Autounfälle, Blitzschläge und manchmal fallen sie von der Leiter. Oder es wird ihnen von einem Psychopathen die Kehle durchgeschlitzt oder sie werden vor einen einfahrenden Zug geschubst. Dinge passieren. Menschen sterben. Es ist für Kirk verdammtes Pech, dass er nicht den Kopf gedreht hat oder eine Bewegung zur Seite gemacht hat. Es ist ja sogar so, dass jeder, der sich auf einer Bühne exponiert – sei es eine tatsächliche oder virtuelle Bühne – immer damit rechnen muss, dass einer die Nerven oder den Verstand oder beides verliert und sich das Recht nimmt, einen anderen - aus welchem Grund und im Namen welchen Gottes auch immer – das Licht auszublasen. Lebensrisiko.
Aber das ist es nicht. Menschen sterben. Jeden Tag. Aus den unterschiedlichen Ursachen. Vom Herzinfarkt über Autounfälle, Blitzschläge und manchmal fallen sie von der Leiter. Oder es wird ihnen von einem Psychopathen die Kehle durchgeschlitzt oder sie werden vor einen einfahrenden Zug geschubst. Dinge passieren. Menschen sterben. Es ist für Kirk verdammtes Pech, dass er nicht den Kopf gedreht hat oder eine Bewegung zur Seite gemacht hat. Es ist ja sogar so, dass jeder, der sich auf einer Bühne exponiert – sei es eine tatsächliche oder virtuelle Bühne – immer damit rechnen muss, dass einer die Nerven oder den Verstand oder beides verliert und sich das Recht nimmt, einen anderen - aus welchem Grund und im Namen welchen Gottes auch immer – das Licht auszublasen. Lebensrisiko.
Nein, was mich wirklich wirklich erschüttert, ist die Häme, der Spott, die gemeinen Verleumdungen und Lügen, nicht nur von irgendwelchen versifften Kiffern in abgeranzten Buden mit fließendem Wasser an den Wänden, von denen eh nichts anderes zu erwarten ist, sondern von angeblich „seriösen“ Journalisten wie Dunja Hayali oder Elmar Theveßen, alle diese Lügen, Wortverdrehungen und „Einordnungen“, für die ich ganz frech auch noch zur Kasse gebeten werde. Als sei ich ein unmündiges Kind, das nicht selbst wüsste, wie das Leben ist und so spielt und keine freie Entscheidung treffen könnte, welche Partei ich wählen und welchem Menschen ich zuhören will.
Oder nehmen wir die vielen vielen „Palästinenser“-Sympathisanten, die doch alle eher Hamas-Sympathisanten sind, auf den asozialen Medien: Ihre Lügen, Verdrehungen, ihre KI-Bilder, alten Filmchen, weinerlichen Klagen und großmäuligen Ankündigungen, ihre fanatischen Anhänger und Bürgergeldbezieher mit ihren Drohungen und Taten gegenüber Juden oder Israel-Unterstützern, kaum gestoppt von der Polizei und unter tosendem Beifall derer, die vor 40 Jahren noch Leuten in den Rücken geschossen haben, die das Land verlassen wollten.
Ja, ich halte im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten dagegen, fange mir deswegen Klagen ein und das ist noch das Beste, was mir passieren kann, solange keine sogenannte „Antifa“ mir die Katzen an die Haustür nagelt oder mir die Kniescheibe zertrümmert, weil ich doch so arg rechts bin.
Ich sag´s, wie es ist: Ich bin dem Allem so müde, ich bin es so leid, ich habe Angst, mich selbst zu radikalisieren. Den Glauben an die Menschheit zu verlieren. Oder wenigstens an meine Mitmenschen, die schon bei Corona ganz eifrig dabei waren, im Gleichschritt mitzudenunzieren, anzuschwärzen, zu gängeln und anzuzeigen. Herrgott – das sind doch nicht wir, das bin doch nicht ich!
Ich erwische mich gelegentlich bei dem Gedanken, nicht mehr zu differenzieren, differenzieren zu wollen, ich erwische mich, wie ich es gar nicht so verkehrt fände, jeden, der ein Pali- oder Kopftuch trägt, instant in sein vom Koran gelobtes Land zu verfrachten, egal, ob er hier seit 24 Stunden oder 24 Jahren lebt. Ich erwische mich, wie ich keine Menschen mehr, sondern nur noch brüllende Barbaren sehe, mit denen ich mein Land nicht teilen will, weil ich sie für fanatische Judenhasser halte – was sie wahrscheinlich auch sind. Ich weiß, dass mich das zum Rassisten macht, aber diesen Zorn und diesen Ärger empfinde ich nicht für Asiaten oder Osteuropäer, nur für dieses eine, ganz spezielle Klientel und seine unverschämten Forderungen und seine großmäulige und gewaltaffine Selbstdarstellung aufgrund eines steinzeitlichen Aberglaubens und dessen völliger Unlogik. Ja, da mag es zu Kollateralschäden kommen – aber auch die sind mir mittlerweile schon fast egal. Weil es die einzige Möglichkeit wäre, das „Kalifat Alemania“ noch zu verhindern, das aufgrund der Demographie gar nicht zu verhindern ist. Aber das bin doch nicht ich! Das sind doch nicht wir!
Ich erwische mich bei regelrechter Menschenverachtung für die öffentlich-rechtlichen Apologeten, die alles verschweigen, verdrehen, verlügen und verfälschen, was nicht ihrer Agenda entspricht. Aber das bin doch nicht ich? So wollte ich doch nie sein! Mein Weltbild ist doch eigentlich geprägt von „Raumschiff Enterprise“, wo sich eine geeinte Menschheit, ja sogar ein geeinter Quadrant auf die Suche nach neuen Lebensformen macht, friedlich und neugierig, aber auch entschlossen, wenn er angegriffen wird. So hat das doch sein sollen und so hat das doch zu sein. Und nicht dieses dauernde, elende und elendige Beschwichtigen, Appeasen, Beruhigen und Wegleugnen für jeden offen sichtbarer Probleme?
Gute Güte: Die „Not“ der „Palästinenser“ interessiert mich überhaupt nicht mehr. Ich kann keinerlei Mitleid mit Leuten empfinden, die johlen und klatschen und jubeln, wenn tote westliche Frauen durch ihre Straßen geschleift werden. Da soll ich dann mit irgendeinem von denen Mitleid haben, wenn Bomben fallen? Ernsthaft?
Ich kann es nicht anders sagen: Der Abgrund schaut mittlerweile zurück. Und ich muss auf mich und meine Lieben aufpassen. Das sollte so nicht sein! So will ich nicht werden. Weil ich dann nicht besser bin als sie.

Ist das nicht süß? Wirklich zuckersüß, wie sie jetzt alle springen, tanzen und singen? Da kommt so ein Ami aus Amirika zur Münchner Sicherheitskonferenz und hält den bei Häppchen und Sekt versammelten grauen Köpfen der europäischen Nomenklatura einen 20-minütigen, freien und fehlerlosen Vortrag über Demokratie und Mehrheiten, verzwergt seine Zuhörer und deklassiert sie und landauf landab fliegen die geohrfeigten Köpfe der Brandmaurer. Da stellt sich dann ausgerechnet ein ausgebildeter Neo-Sozialist wie der Bundespräsident, der vor nicht einmal 12 Monaten den amtierenden Präsidenten der USA als „Hassprediger“ abgekanzelt hat, hin und verbittet sich eine Einmischung der Amerikaner in die lautere und tadellose Demokratie der Schwachkopf-Anzeiger, „So-Done“-Betreiber und Morgens-aus-dem-Bett-Klingler. Da sind sie alle ganz aufgeregt, die, die nicht müde wurden, zu beteuern, dass mit Donald Trump das absolut Böse ins Weiße Haus einziehen wird. Die den altersschwachen Joe Biden zu einem stolzen Führer der freien Welt mit dem absoluten Überblick verklärten, um gleich anschließend Kamala Harris zu einer Lichtgestalt zu verklären, die den Heiligenschein Jesu um Milliarden Lux überstrahlte. Diese Politiker und Medien beschweren sich nun wie mit der Hand in der Keksdose ertappte Kinder über eine Rede, die ihnen, den Führern des Wertewestens und des freiesten und buntesten und diversesten Europas, das es je seit der Belagerung Konstantinopels gab, die demokratischen Leviten liest. Witzig – während ich diese Zeilen schreibe, lese ich auf X, dass der Rechtsanwalt Markus Roscher zu 3.000,- € Geldstrafe verurteilt wurde, weil er in einem Tweet Habeck, Scholz und Baerbock für das Heizungsgesetz als „boshafte Versager“ bezeichnet hat. Sein Waffenschein steht nun wegen „Unzuverlässigkeit“ ebenfalls zur Diskussion. Außerdem muss er im „Wiederholungsfall“ – nämlich, dass er die Genannten „in ihrem öffentlichen Wirken erheblich beeinträchtigt“ – damit rechnen, dass ihm der Entzug seiner Anwaltslizenz droht. Außerdem wurde er gewarnt, dass er im Einspruchsverfahren mit einer noch höheren Geldstrafe rechnen müsste. Sieht so die Meinungsfreiheit „unserer Demokratie“ aus? Das exakt ist es, was Vance mit seiner Rede gemeint hat. Und was unsere Politisierenden und die geneigten Medien vehement und ganz wehrhaft mit wedelnden Armen abstreiten. „Keine Meinungsfreiheit? Stimmt ja gar nicht! Halt die Fresse!“ Ich mag die AfD nicht. Ich finde sie zu wenigstens 60% ganz schrecklich, weil da auch ganz schreckliche Leute mitmachen, deren Stammtische ich schon in Jugendtagen gemieden habe, obwohl es die da noch gar nicht gab. Das spielt in einer Demokratie aber keine Rolle, wen ich mag oder nicht mag. Ich persönlich finde Grüne und Linke noch viel schrecklicher, radikaler und ja – auch gewalttätiger. Erst recht, wenn sie 1933 als Rechtfertigung für Zerstörung und Körperverletzung als Alibi heranziehen. Aber ebenso, wie ich die Einen ertragen muss, muss ich auch die anderen ertragen. Und, als Demokrat, bestenfalls mit beiden reden, weil sie vielleicht ja doch einen Punkt haben. Außerdem ist es unfair und undemokratisch, eine 20%-Partei in ihrer parlamentarischen Arbeit zu behindern und ihnen ihrer Partei zustehende Posten zu verweigern oder Gesetze und Regeln so elegant hinzubiegen, dass sie keine Chance haben, für das Geld, das sie auch von ihren Wählern bekommen, Ihren Job zu machen. Unser Grundgesetz (dessen Hochhalten in Corona bereits bestraft wurde) sieht keine „guten“ und „schlechten“ Wählerstimmen vor. Es gibt schlicht keine Abstufung. Vance hat nichts anderes gesagt als seinerzeit Gorbatschow zu den Betonköpfen im Politbüro: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Wer sich nicht um die Anliegen von mindestens 20% - eigentlich aber sogar mehr als 50% aller Wähler kümmert (ja, wir reden hier von illegaler Migration und Union und AfD gemeinsam), der darf sich dann auch nicht wundern, wenn die eigene, überhebliche Arroganz gegenüber dem Wahlvolk, das die ganze Butze finanziert, zur eigenen Abwahl führt. Es ist das tiefste Wesen einer Demokratie, dass es keinen Adel und keine Kaste gibt und das Volk seine Regierungen bei Nichtbeachtung abwählen und einer neuen Regierung eine neue Chance geben kann, darf, soll und – im Eigeninteresse – sogar muss. Nichts anderes hat Vance versucht, seinen europäischen Gesprächspartnern, die nun gemeinsam mit den ihnen gewogenen Medien aufgeregt flügelschlagend umeinanderkreisen, klarzumachen. Und als Antwort bekommt er – und wir – unter dem Strich die gleiche Antwort, die seinerzeit Honecker gab: „Unsere Demokratie in ihrem Lauf halten weder Trump noch Vance auf“. Flankiert von dem üblichen Gesülze von Trump als Sith-Lord mit Musk und Vance als böse Palatine. Die glauben das wirklich! Außerdem hat Vance mit Weidel und Merz gesprochen. GESPROCHEN! Sie haben richtig gelesen. Die Amerikaner haben glasklar erkannt, dass mit der EU und den Wichtigtuern der deutschen Regierungsparteien schlicht „kein Staat“ zu machen ist. „America first“ heißt auch „Europe second“ und die Rede von Vance und die Reaktionen darauf haben tatsächlich gezeigt, mit welchen eitlen und wichtigtuerischen Wichten wir es in „unserer Demokratie“ zu tun haben. Wird sich aber nun etwas ändern? Natürlich nicht. Die europäischen Kleinmächte mit ihren zappeligen Demokratieminderleistern werden sich einigeln und hoffen, dass die nächsten vier Jahre Trump und dann vielleicht vier Jahre Vance an ihnen wie ein Gewittersturm vorüberziehen werden. An uns als Wählern liegt es, ob dies so sein wird.

Haben Sie die Bilder gesehen? Robert Habeck hat eines verbreitet, Olaf Scholz ein anderes. Robert Habeck war nämlich in Auschwitz. Aber nur als Besucher. Olaf Scholz auch, auch als Tourist. Auf dem Bild Robert Habecks sieht man ihn aus der Rückenansicht, wie er zwischen einem Gebäude (dem Krematorium?) und zwei Stacheldrahtzäunen, ganz allein, fast einsam, entlangflaniert. Das ganze Bild, in einen orangen Filter getaucht, erinnert stark an die „Jever“-Werbung. Ein Mann. Seine Gedanken. Ein KZ. Veröffentlicht hat Robert Habeck das Bild auf X mit dem Untertext: „Heute, am 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, habe ich in Polen das Stammlager I und später das Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau besucht. Neben dem offiziellen Teil gab es auch ein paar Momente allein. Ich brauche dazu nichts zu sagen, denke ich.“ Ein paar Momente. Allein. Robert Habeck mit sich selbst. Und dem Kameramann. Und den Personenschützern. Möglicherweise auch mit seinem Social-Media-Team und seinem Wahlkampfteam. Aber allein. Hauptsache allein. Mit seinen Gedanken. Und die teilt er mit, indem er sie nicht mitteilt. So isser, unser Robert, gell? So ein eigentlich stiller, besinnlicher und, ja, auch tief philosophischer Typ. Ich kann mich nicht gegen meine Phantasie wehren. Ich sehe mich mit Robert Habeck und seinem Team da, in dieser Todesgasse stehen und das, was wie ein Schnappschuss – welch grässliches Wort in einem Konzentrationslager – aussieht, inszenieren: „Robert, wir machen das von hinten. Wie in der Werbung. Geh ein paar Schritte nach da. Nicht umdrehen, Robert, NICHT UMDREHEN, HERRGOTT, ja, so isses gut, Stimmt das Licht, Malte? Klasse. Nicht so weit weg, Robert, es muss zufällig aussehen und wir können das Stativ und das Licht nicht hinter Dir hertragen. Geh nochmal so… JA, PASST, IS IM KASTEN! Super Robert, das wird ein Kracher!“ Ein Hauch von Bierwerbung weht durch das Bild: Wie das KZ, so das Jever. Ich weiß nicht, ob er oder Olaf Scholz schneller war, unser Kanzler ließ sich von hinten insze… fotografieren, wie er vor einem der Öfen im Krematorium steht. Mittig. Im gedämpften Licht. Besinnlich und sich besinnend. Ob er da ein Gebet gesprochen hat? Man weiß es nicht, aber die Bildkomposition ist sehr schön, sehr symmetrisch. Da hat das Fotografierende gut mitgedacht. Diesen beiden Typen ist das vielleicht grausigste und grausamste Vernichtungslager der Welt nicht zu schade, um sich zu Wahlkampf- und Eigendarstellungszwecken optisch hübsch in Szene zu setzen, um einen auf „besinnlich“ zu machen. Das, was vor Ort passiert ist, wo Menschen verprügelt, verreckt und schlussendlich vergast wurden, wird heute von ganz aufrecht unserdemokratischen Politikern zur Gruselkulisse für nicht hässliche Bilder, zum „Auschwitzland“ für professionelles Trauern herabgewürdigt. Wahres und echtes Gedenken braucht keine Pressefotografen, sondern Ruhe und Geschichtsbewusstsein, was ich mit einem Pulk von Fotografen, Security und Begleitentourage für höchst schwierig halte. Beide Bilder haben einen bitteren Beigeschmack von „Halloho? Ich trauere und bin nachdenklich! Seht Ihr, wie ich trauere? Seht Ihr es? Kinners, hierher, ich trauere! Guck, da der Ofen, da der Stacheldraht, schrecklich. Soll ich nochmal im Halbprofil…?“ Es gibt vielleicht noch eine Handvoll Leute, die aus Auschwitz entkommen und bewusst erzählen können, wie es war und auch sie werden bald gestorben sein. Wer als 10-jähriger da hinkam und überlebte, ist spätestens 1935 geboren und heute 90 Jahre alt. In zehn bis zwanzig Jahren wird die Erinnerung an den Holocaust nur noch virtuell in Filmen und Literatur gegenwärtig sein, da es keine Zeitzeugen mehr gibt, die das Monströse dieses Ortes aus eigener Anschauung vermitteln können. Dann wird Auschwitz endgültig zur Gedenkkulisse von Politikern herabgewürdigt werden, wenn die Museumsleitung hier nicht eingreift. Eigentlich sollte auf dem gesamten Gelände ein Fotografier-Verbot herrschen. Auch und besonders für Politiker. Das ist kein Ort, um Besinnlichkeit zu heucheln und publikumswirksame Bilder zu schießen. Oder lustige Selfies für Instagram und Tiktok zu machen. Was kommt als Nächstes? „My friends went to Auschwitz and all I got was this lousy T-Shirt“? Das ist Auschwitz. Der Ort eines der größten Verbrechen der Menschheit. Ein Ort, an dem Täter zu viehischen Barbaren und Opfer zur vernichtbaren Objekten herabgewürdigt wurden. Ein Ort, gegen den die Hölle ein angenehmer Platz sein muss. Ein Ort, an dem es keine Moral und keine Menschlichkeit mehr gab. Und an diesem Ort standen zwei Politiker in guter Ausleuchtung und simulierten Anteilnahme. Dann reisten sie wieder ab und beschlossen, noch mehr Judenhasser ins Land zu lassen. Es widert mich nur noch an.


